Was ist UX-Testing und warum lohnt es sich?
UX-Testing (User Experience Testing) hilft Ihnen zu verstehen, wie Menschen ein digitales Produkt wahrnehmen und nutzen. Ein wichtiger Bestandteil davon ist das Usability-Testing. Dabei geht es vor allem darum, ob Nutzer bestimmte Aufgaben ohne unnötige Hindernisse erledigen können.
In der Praxis lassen sich damit ganz konkrete Fragen beantworten: Können neue Kunden ein Konto erstellen? Finden Nutzer das gesuchte Produkt? Können sie eine Dienstleistung buchen, ohne erst nach einer Anleitung suchen zu müssen?
Die Antworten sind möglicherweise nicht so offensichtlich, wie sie zunächst scheinen. Menschen, die eine App gestalten oder entwickeln, kennen ihre Logik und wissen, wo sie die einzelnen Funktionen finden. Neue Nutzer verfügen jedoch nicht über dasselbe Wissen und denselben Kontext.
Ohne Tests übersieht ein Team daher leicht Probleme, die für Nutzer sofort erkennbar sind. Je später diese Probleme entdeckt werden, desto aufwendiger kann ihre Behebung sein. Einen Prototyp anzupassen ist in der Regel einfacher, als eine bereits implementierte Lösung grundlegend zu überarbeiten.
1.Beginnen Sie mit einer konkreten Frage, nicht mit einem teuren Tool
Einer der häufigsten Fehler besteht darin, das gesamte Produkt auf einmal testen zu wollen. Das Team erstellt eine lange Liste mit Fragen, beobachtet zu viele Funktionen gleichzeitig und hat am Ende zwar zahlreiche Notizen, weiß aber nicht, was zuerst verbessert werden sollte.
Besser ist es, mit einem konkreten Problem anzufangen.
Zum Beispiel:
- Können neue Nutzer die Registrierung ohne Hilfe abschließen?
- Verstehen Nutzer die verschiedenen Optionen während des Bestellvorgangs?
- Finden sie die Informationen, die sie in der App suchen?
- Können sie auf dem Smartphone dieselbe Aufgabe erledigen wie am Desktop?
Ein klar abgegrenzter Test lässt sich leichter vorbereiten und auswerten. Außerdem hilft er Ihnen bei der Entscheidung, welche Testmethode sinnvoll ist und welche Personen Sie dafür benötigen.
Praktischer Tipp: Legen Sie vor dem Test fest, woran Sie den Erfolg erkennen. Bei einem Registrierungstest könnte das beispielsweise bedeuten, dass Nutzer den Vorgang ohne Hilfe abschließen oder dass Sie feststellen, an welchen Stellen sie Schwierigkeiten haben.
2.Testen Sie auch dann, wenn Sie erst einen Prototyp haben
Sie müssen nicht warten, bis Ihre App fertig entwickelt ist. Die Benutzerfreundlichkeit lässt sich bereits in der Entwurfsphase testen, wenn Änderungen noch relativ einfach umzusetzen sind.
Für eine erste Überprüfung können sogar Skizzen der einzelnen Bildschirme auf Papier ausreichen. Bei einem digitalen Produkt können Sie einen klickbaren Prototyp erstellen, mit dem Nutzer zwischen verschiedenen Ansichten wechseln können, obwohl im Hintergrund noch keine Daten gespeichert oder verarbeitet werden.
Ein solcher Prototyp kann beispielsweise zeigen, dass die Navigation unverständlich ist, ein wichtiger Button schwer zu finden ist oder Nutzer mit der Bezeichnung einer Funktion nichts anfangen können.
Wenn Sie bereits eine funktionsfähige App oder Website haben, testen Sie diese direkt. Welche Methode die richtige ist, hängt davon ab, welche Frage Sie beantworten möchten.
Wichtig ist, nicht mehr vorzubereiten als nötig. Wenn Sie herausfinden wollen, ob Nutzer einen grundlegenden Ablauf verstehen, brauchen Sie noch keine fertigen Animationen, Integrationen oder finalen Grafiken.
3.Finden Sie erste Testpersonen ohne teures Recruiting
Die Suche nach geeigneten Testpersonen ist für kleinere Teams oft eine der größten Herausforderungen. Tatsächlich können Sie auch ohne kostenpflichtiges Testpanel anfangen.
Sie können Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld, bestehende Kunden, Ihre Social-Media-Community oder freiwillige Teilnehmer ansprechen. Entscheidend ist, dass diese Personen zur Zielgruppe Ihres Produkts passen.
Wenn Sie eine App für Kleinunternehmer entwickeln, liefert das Feedback von fünf Entwicklern möglicherweise andere Erkenntnisse als ein Test mit den Menschen, für die Sie die App tatsächlich bauen.
Bei einer kleinen qualitativen Usability-Studie beginnt man häufig mit etwa fünf Teilnehmern aus einer Zielgruppe. Eine solche Stichprobe kann viele wiederkehrende Probleme aufdecken, garantiert aber nicht, dass alle Schwierigkeiten erkannt werden. Wenn Sie mehrere unterschiedliche Nutzergruppen haben oder statistisch belastbare Ergebnisse benötigen, ist eine größere Studie erforderlich.
Die Tests müssen auch nicht persönlich stattfinden. Sie können die Teilnehmer per Videoanruf kontaktieren und sie bitten, ihren Bildschirm zu teilen. Das spart Zeit und Reisekosten.
4.Beobachten Sie, was Menschen tun, nicht nur, was sie sagen
Während eines Tests ist es verlockend, Fragen zu stellen wie: „Gefällt Ihnen dieser Bildschirm?“ oder „Finden Sie das einfach?“
Solche Fragen zeigen jedoch nicht unbedingt, wo das eigentliche Problem liegt. Jemand kann die App übersichtlich finden und trotzdem Schwierigkeiten haben, die richtige Option zu entdecken, wenn er eine Aufgabe erledigen soll.
Geben Sie den Teilnehmern stattdessen eine konkrete Aufgabe und lassen Sie sie diese selbstständig bearbeiten.
Fragen Sie beispielsweise nicht: „Ist der Bestellvorgang verständlich?“, sondern sagen Sie: „Stellen Sie sich vor, Sie möchten dieses Produkt bestellen und nach Hause liefern lassen. Zeigen Sie mir, wie Sie dabei vorgehen würden.“
Beobachten Sie anschließend, wohin sie klicken, an welchen Stellen sie zögern, was sie übersehen und welche Schritte sie selbst erschließen müssen. Wenn es sinnvoll ist, bitten Sie sie, laut zu denken und zu erklären, was ihnen gerade durch den Kopf geht.
Geben Sie während des Tests möglichst wenig Hilfestellung. Wenn Sie erklären, wo jemand klicken soll, erfahren Sie nicht mehr, ob die Person die richtige Stelle selbst gefunden hätte.
Und vergessen Sie nicht: Sie testen das Produkt, nicht den Menschen. Wenn ein Nutzer einen Button nicht findet, bedeutet das nicht unbedingt, dass er unaufmerksam ist. Vielleicht befindet sich der Button einfach nicht dort, wo er ihn erwartet.

5.Nutzen Sie verfügbare Tools, aber wählen Sie diese nach Ihrem Bedarf aus
Für die ersten Tests benötigen Sie oft überhaupt keine kostenpflichtige Software. Ein Prototyp, ein Videoanruf, eine gemeinsame Tabelle für Notizen und eine Person, die den Test beobachtet, können bereits ausreichen.
Wenn Sie den Prozess erweitern möchten, können Sie Tools für die Prototypenerstellung, Remote-Usability-Tests oder die Analyse des Besucherverhaltens auf Websites einsetzen. Funktionen und Preise unterscheiden sich je nach Anbieter. Deshalb lohnt es sich, zuerst das Problem zu definieren und erst danach das passende Tool auszuwählen.
Verschiedene Methoden helfen Ihnen außerdem dabei, unterschiedliche Fragen zu beantworten:
- Usability-Tests: Sie beobachten, ob Nutzer eine Aufgabe erledigen können und an welchen Stellen sie auf Schwierigkeiten stoßen.
- Kurze Interviews: Sie erfahren, was Nutzer benötigen, was sie stört und welche Rolle das Produkt in ihrem Alltag spielt.
- Traffic- und Verhaltensanalysen: Sie zeigen, an welchen Stellen Nutzer eine Website verlassen oder bestimmte Schritte seltener abschließen.
- A/B-Tests: Sie vergleichen zwei Varianten einer Lösung und prüfen, welche anhand einer festgelegten Kennzahl besser abschneidet.
Diese Methoden ergänzen sich, sind aber nicht austauschbar. Eine Analyse kann beispielsweise zeigen, dass viele Nutzer den Bestellvorgang abbrechen. Die Beobachtung während eines UX-Tests kann Ihnen helfen, die Gründe dafür zu verstehen.
6.Verwandeln Sie Ihre Erkenntnisse in konkrete Verbesserungen
Tests sind erst dann wertvoll, wenn Sie auf Grundlage der Ergebnisse Änderungen vornehmen.
Halten Sie nach jeder Sitzung fest, was passiert ist, wo der Teilnehmer auf ein Problem gestoßen ist und wie sich dieses auf die Erledigung der Aufgabe ausgewirkt hat. Vergleichen Sie anschließend die Notizen der einzelnen Teilnehmer und suchen Sie nach wiederkehrenden Mustern.
Nicht jedes Problem sollte dieselbe Priorität haben. Wenn jemand ein dekoratives Element übersieht, ist das etwas anderes, als wenn die Hälfte der Teilnehmer die Registrierung nicht abschließen kann.
Stellen Sie sich bei der Priorisierung deshalb folgende Fragen:
- Wie viele Nutzer sind auf dasselbe Problem gestoßen?
- Verhindert das Problem, dass sie eine wichtige Aufgabe abschließen?
- Wie stark beeinträchtigt es das gesamte Nutzungserlebnis?
- Wie aufwendig wäre es, das Problem zu beheben?
Kümmern Sie sich zuerst um Hindernisse, die Nutzer daran hindern, ihr Ziel zu erreichen. Kleinere Anpassungen und Details können Sie anschließend angehen.
Wiederholen Sie den Test, nachdem Sie die Änderungen umgesetzt haben. Auch eine kleine Anpassung kann neue Probleme verursachen. Deshalb sollten Sie überprüfen, ob sie tatsächlich geholfen hat.
7.Machen Sie Tests zu einem festen Bestandteil der Entwicklung
UX-Tests müssen kein großes Einzelprojekt sein, das nur kurz vor dem Launch einer App stattfindet. Oft ist es sinnvoller, regelmäßig kleinere Teile des Produkts zu testen und auf die Ergebnisse zu reagieren.
Nach dem Entwurf einer neuen Funktion können Sie beispielsweise einen kurzen Test des Prototyps durchführen. Nach der Implementierung überprüfen Sie, ob die Funktion wie erwartet arbeitet. Nach dem Launch beobachten Sie das Feedback und das Verhalten tatsächlicher Nutzer.
So lassen sich Probleme erkennen, bevor sie sich anhäufen. Gleichzeitig kann das Team schrittweise Verbesserungen vornehmen, anstatt später große Teile der App überarbeiten zu müssen.
Wichtig ist auch, Entwickler, Designer und Produktmanager in den Prozess einzubeziehen. Wenn sie sehen, wie Menschen tatsächlich mit dem Produkt umgehen, verstehen sie leichter, warum bestimmte Änderungen Priorität haben sollten.
UX-Testing muss nicht teuer sein. Es muss einen Mehrwert bieten.
Bei der Entwicklung einer App konzentriert sich das Budget häufig auf Design, Programmierung und den Launch. Die Frage, wie Nutzer das Produkt tatsächlich verwenden, wird manchmal auf später verschoben. Bis dahin hat das Team möglicherweise bereits Zeit in Funktionen und Lösungen investiert, die den Nutzern gar nicht wirklich helfen.
Für die ersten Tests benötigen Sie weder eine große Stichprobe noch teure Tools oder eine perfekt ausgearbeitete Forschungsstudie. Sie brauchen eine konkrete Frage, geeignete Teilnehmer und die Bereitschaft, genau hinzusehen – auch wenn die Ergebnisse Ihre ursprünglichen Annahmen infrage stellen.
Die besten UX-Entscheidungen basieren nicht allein darauf, was ein Team für intuitiv hält. Sie basieren darauf, was Nutzer tatsächlich erreichen können.