Wenn Nutzer ständig auf Hindernisse stoßen
Eines der zuverlässigsten Anzeichen dafür, dass das Design einer App nicht mehr funktioniert, sind wiederkehrende UX-Probleme. Nutzer stellen grundlegende Fragen, schließen wichtige Aktionen nicht ab oder verhalten sich anders als erwartet. Das bedeutet oft nicht, dass das Produkt schlecht ist – sondern dass sein Design unnötige Hürden schafft.
Ein typisches Beispiel ist, wenn Analysen eine hohe Anzahl von Schritten bis zum Abschluss einer Aktion, niedrige Aktivierungsraten oder starke Abbrüche in bestimmten Bereichen der App zeigen. Wenn Nutzer immer an denselben Stellen scheitern, liegt das Problem meist nicht bei ihnen, sondern im Design.
Wenn das visuelle Erscheinungsbild nicht mehr vertrauenswürdig wirkt
Die visuelle Ebene einer App hat einen deutlich größeren Einfluss auf das Business, als viele Unternehmen annehmen. Nutzer können oft nicht genau erklären, warum sie einer App nicht vertrauen, spüren jedoch sehr schnell, wenn sie veraltet, unübersichtlich oder inkonsistent wirkt.
Eine App, die vor fünf Jahren modern aussah, kann heute wie technischer Ballast wirken. Nicht, weil sie nicht mehr funktioniert, sondern weil sie nicht mehr den aktuellen Erwartungen der Nutzer entspricht. In einem wettbewerbsintensiven Umfeld bedeutet das oft, dass ein Produkt bereits beim ersten Eindruck verliert – noch bevor es seine tatsächliche Stärke zeigen kann.
Wenn Feedback zu laut wird, um es zu ignorieren
Nutzerfeedback ist ein weiterer starker Hinweis auf den Bedarf eines Redesigns. Es muss keine direkte Kritik am Design sein. Häufig äußert es sich in wiederkehrenden Aussagen wie die App ist kompliziert, irgendetwas fühlt sich falsch an oder es hat lange gedauert, bis ich mich zurechtgefunden habe.
Wenn ähnliche Signale aus mehreren Quellen kommen – vom Support, aus App-Store-Bewertungen oder aus Nutzerinterviews – ist das ein klares Zeichen dafür, dass es sich nicht um ein individuelles Problem handelt. In diesem Fall ist ein Redesign keine ästhetische Spielerei, sondern eine Antwort auf echte Nutzerfrustration.

Wie ein App-Redesign tatsächlich abläuft
Ein erfolgreiches Redesign bedeutet nicht, einfach Bildschirme neu zu gestalten. Es ist ein Prozess, der mit dem Verständnis des Problems beginnt. Zunächst werden Nutzerverhalten, vorhandene Daten und Business-Ziele analysiert. Ziel ist es zu verstehen, was nicht funktioniert, warum es nicht funktioniert und was geändert werden muss, damit die App ihre Aufgabe besser erfüllt.
Darauf folgt die Gestaltung neuer Nutzerflüsse, Informationshierarchien und Interaktionen. Erst danach kommt die visuelle Ebene ins Spiel, die diese Änderungen unterstützt und vereinheitlicht. Ein wichtiger Bestandteil des Redesigns ist auch das Testen – um zu überprüfen, ob die neue Lösung die ursprünglichen Probleme tatsächlich löst und keine neuen schafft.
Ein gut gesteuertes Redesign wird häufig schrittweise umgesetzt und nicht als ein großer Umbruch. Das reduziert Risiken und ermöglicht es, schneller erste Ergebnisse zu sehen.
Was ein App-Redesign tatsächlich bringen kann
Der größte Fehler besteht darin, sich erst nach dem Launch des Produkts mit Kennzahlen zu beschäftigen. Analytics sollte von Anfang an Teil der Architektur der Anwendung sein. Das bedeutet, klar zu definieren, welches Verhalten als Erfolg gilt, und die Datenerfassung entsprechend auszurichten.
Für Unternehmen hat es sich bewährt, Kennzahlen nach Entwicklungsphasen zu gliedern. In der MVP-Phase geht es vor allem um die Validierung des Mehrwerts und die grundlegende Aktivierung. In der Wachstumsphase verlagert sich der Fokus auf Retention, Feature-Adoption und Skalierung. In einem reifen Produkt stehen Kennzahlen zur Effizienz, Stabilität und zum langfristigen geschäftlichen Nutzen im Vordergrund.
Fazit: Redesign als Investition, nicht als Risiko
Ein App-Redesign sollte keine Reaktion auf eine Krise sein, sondern eine strategische Entscheidung. Wenn das Design Nutzer nicht mehr unterstützt, Wachstum bremst oder das Vertrauen in das Produkt schwächt, ist Ignorieren oft teurer als die Investition in Veränderung.
Unternehmen, die Redesign als Werkzeug zur Verbesserung der Nutzererfahrung und der Business-Ergebnisse verstehen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Nicht weil sie eine schönere App haben, sondern weil sie eine App haben, die besser funktioniert – für Nutzer und für das Business.
