Was ist eine monolithische Architektur (und warum man keine Angst vor ihr haben muss)
Eine monolithische Anwendung ist als ein zusammenhängendes System aufgebaut. Alle Funktionen, die Geschäftslogik und die Datenebene bilden eine Einheit, die gemeinsam entwickelt, getestet und deployt wird. Für viele hat der Monolith einen negativen Beigeschmack, in der Praxis ist er jedoch oft ein sehr effizienter Ansatz – insbesondere in der Anfangsphase.
Der größte Vorteil eines Monolithen ist seine Einfachheit. Die Architektur ist übersichtlich, das Onboarding neuer Entwickler geht schnell und das gesamte System lässt sich leichter testen. Aus Kostensicht ist er häufig die sinnvollste Wahl für ein MVP oder die erste Produktversion, bei der es darauf ankommt, eine Idee schnell zu validieren.
Probleme entstehen meist dann, wenn die Anwendung wächst. Mit zunehmender Funktionalität steigt die Abhängigkeit zwischen einzelnen Systemteilen, und jede größere Änderung kann unerwartete Nebenwirkungen haben. Ein Monolith ist nicht schlecht – er hat lediglich seine Grenzen.
Was sind Microservices und warum alle darüber sprechen
Eine Microservices-Architektur teilt eine Anwendung in kleinere, unabhängige Services auf. Jeder Service hat eine klar definierte Verantwortung, eine eigene Logik und oft auch eigene Daten. Diese Services kommunizieren über Schnittstellen, meist über APIs, miteinander.
Der größte Vorteil von Microservices ist ihre Flexibilität. Einzelne Teile des Systems können unabhängig voneinander entwickelt, getestet und deployt werden. Das ist ein entscheidender Vorteil bei größeren Produkten, an denen mehrere Teams arbeiten oder bei denen sich unterschiedliche Systembereiche unterschiedlich schnell weiterentwickeln.
Gleichzeitig bringen Microservices eine deutlich höhere Komplexität mit sich. Sie erfordern eine hohe architektonische Disziplin, eine stabile Infrastruktur und ein erfahrenes Team. Werden sie zu früh eingeführt, können sie mehr Probleme verursachen als Nutzen bringen.

Wann ein Monolith die bessere Wahl ist
Eine monolithische Architektur ist sinnvoll, wenn Geschwindigkeit und Einfachheit im Vordergrund stehen. Das ist typischerweise bei MVPs, Startup-Projekten oder Produkten in einer frühen Phase der Fall, in der noch nicht klar ist, welche Funktionen wirklich entscheidend sein werden.
Ein Monolith ermöglicht schnelle Iterationen, geringere Anfangskosten und eine einfachere Wartung. Ist das Team klein und das Produkt noch in der Findungsphase, kann unnötige architektonische Komplexität die Entwicklung erheblich verlangsamen.
Wann Microservices sinnvoll werden
Microservices sind dann angebracht, wenn eine Anwendung eine gewisse Reife erreicht hat. Die Funktionen sind klar definiert, das Produkt verfügt über eine stabile Nutzerbasis und das System muss skaliert werden – entweder technisch oder organisatorisch.
Typische Anzeichen sind Probleme beim Deployment, eine Verlangsamung der Entwicklung, häufige Konflikte zwischen Teams oder der Bedarf, nur bestimmte Systembereiche wie Zahlungen oder Benachrichtigungen zu optimieren. In solchen Fällen helfen Microservices, Verantwortlichkeiten zu trennen und Engpässe zu beseitigen.
Der häufigste Fehler: eine zu frühe Entscheidung
Einer der häufigsten Fehler ist die Wahl einer Microservices-Architektur gleich zu Beginn eines Projekts, nur weil sie als „Best Practice“ gilt. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine universell richtige Lösung. Architektur sollte Geschäftsziele unterstützen und nicht behindern.
Ein sehr effektiver Ansatz ist es, mit einem gut strukturierten Monolithen zu starten, der klar getrennte Module besitzt. Ein solches System kann später schrittweise in Microservices aufgeteilt werden, ohne die gesamte Anwendung neu schreiben zu müssen.
Fazit: Architektur ist Strategie, kein Modetrend
Die Entscheidung zwischen Monolith und Microservices ist keine technische Nebensache. Sie ist eine strategische Wahl, die den gesamten Lebenszyklus eines Produkts beeinflusst. Der Monolith bietet Geschwindigkeit und Einfachheit, Microservices bieten Flexibilität und Skalierbarkeit. Entscheidend ist, den richtigen Ansatz zum richtigen Zeitpunkt zu wählen.
Die beste Architektur ist nicht die komplexeste, sondern diejenige, die es einem Produkt ermöglicht, ohne unnötige technische oder geschäftliche Kompromisse zu wachsen.
